Handystrahlung: Neue WHO-Studie gibt keine Entwarnung

Zu diesem Ergebnis kommt die bislang größte Fall-Kontrollstudie zu Handystrahlung. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass extrem langes Telefonieren mit mobilen Telefonen das Tumorrisiko fördere, heißt es in der Interphone-Studie, die am 17. Mai 2010 von der Weltgesundheits-Organisation (WHO) veröffentlicht wurde. “Ob Menschen, die besonders lange und häufig mit ihrem Handy telefonieren, gefährdet sind, an einem Gliom zu erkranken, muss weitere Forschung klären”, sagt Prof. Maria Blettner von der Universität Mainz.

Bei den fünf Prozent der Teilnehmer, die das Handy besonders stark nutzten, zeige die Studie ein erhöhtes Risiko für ein Gliom, sagte Blettner. Dieses Ergebnis könnte aber auch durch methodische Probleme entstanden sein. So sei die sehr hohe Nutzungsdauer, die manche Teilnehmer angaben, nicht plausibel. Zudem sei das Gliom-Risiko nicht kontinuierlich mit der Telefondauer gestiegen.

Europäische Umweltagentur warnt vor Strahlung

2007 warnte die Europäische Umweltagentur (EEA) jedoch ausdrücklich vor Gesundheitsgefahren durch Handys. Für die Studie waren 2000 Untersuchungen ausgewertet worden. Es gebe klare Beweise, dass starke Handy-Nutzer, die ihr Handy mehr als 15 Jahre lang etwa 460 Stunden im Jahr genutzt hätten, Ausprägungen von Hirntumoren gezeigt hätten, sagte die EEA-Direktorin Jaqueline McGlade. “Handys mögen schwach strahlen, aber es gibt genügend Beweise für Wirkungen auch bei schwacher Strahlung, dass wir jetzt handeln müssen.” Zentrales Ergebnis des Berichts sei, dass sich das Risiko für Hirntumoren nach mehr als zehn Jahren Handynutzung um 20 bis 200 Prozent erhöht.

Mediziner wollen weitere Tumorrisiken untersuchen

Die Mehrheit der Befragten gehörten nach Angaben der Autoren der Studie nicht zu den starken Handynutzern. Ihr Gebrauch lag bei etwa zwei Stunden im Monat. Außerdem wurde festgestellt, dass der regelmäßige Gebrauch von Handys sogar die Gefahr von Tumoren etwas verringern kann. Dies hätten auch schon frühere Untersuchungen gezeigt, aber auch hierzu seien weitere Studien nötig. Außerdem wollen die Mediziner untersuchen, ob Handystrahlung möglicherweise das Risiko von Tumoren in der Ohrspeicheldrüse oder dem Gehörnerv erhöht.

Die Studie stützt sich weitgehend auf Interviews von 2708 Menschen mit Gliomen sowie 2409 Menschen mit Meningiom, den häufigsten Gehirntumoren. Zudem wurden 7658 Kontrollpersonen in 13 Ländern befragt. Die Studie war im Jahr 2000 von der WHO in Auftrag gegeben worden. Auch die Industrie hatte sich an der Finanzierung beteiligt.

Keine Gefahr durch Handystrahlung laut Bundesamt

Durch das Telefonieren mit dem Handy lässt sich keine Tumorgefahr nachweisen, zu diesem Ergebnis kam auch eine Untersuchung des Bundesamts für Strahlenschutz im Juni 2008. Auch durch schnurlose Telefone oder deren Basisstationen nach DECT-Standard in der Nähe des Bettes steige das Risiko für Hirntumore nicht. Ein Zusammenhang zwischen den Geräten und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen bei Erwachsenen sei nicht beobachtet worden. Allerdings war die Studie auf weniger als zehn Jahre angelegt. Mögliche langfristige Risiken, vor allem für Kinder, seien nicht abschließend geklärt.

Die Forscher analysierten in mehr als 50 Forschungsprojekten des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms seit 2002 biologische Auswirkungen der Nutzung von Handys und schnurlosen Telefonen. Im Einzelfall wurden Veränderungen der Genaktivität beobachtet. Das stelle die Gesamtbeurteilung aber nicht infrage, hieß es. Nach Angaben der Autoren sind weitere Studien über die Langzeitwirkungen der Geräte notwendig, insbesondere bei Kindern, die mit dem Handy groß geworden seien oder groß würden.

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